Demis Volpi

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebes Publikum, 

als ich im März letzten Jahres zum Ballettdirektor und Chefchoreographen des Ballett am Rhein ernannt wurde, hätte ich niemals für möglich gehalten, wie viel Vertrauensvorschuss und gestalterische Freiheit mir geschenkt werden würde. Ich empfinde es als ein Privileg, mit solcher Herzlichkeit von allen Abteilungen des Hauses empfangen worden zu sein und als Teil einer solch renommierten Institution arbeiten zu dürfen. Dieser besonderen Verantwortung gehe ich mit großer Freude entgegen. 

Ich habe in den letzten Monaten nicht nur die neuen Kolleg*innen kennengelernt, sondern auch ein Team für meine Vision gewonnen und ein Ensemble von Tänzer*innen gebildet. Wir haben Choreograph*innen und ihre Werke genauer denn je untersucht und einen ersten Spielplan erarbeitet, um ihn dann in nur wenigen Wochen aufgrund von COVID-19 mit Hochdruck noch einmal komplett neu zu gestalten. 

Ein Ensemble mit derartiger Bandbreite an Persönlichkeiten aufzubauen, war eine sehr bereichernde Erfahrung. Gut ein Drittel der bestehenden Compagnie bleibt am Haus. Sie möchten an der neuen Ära teilhaben, sich mit uns verändern und weiterentwickeln. Diese Gruppe trifft auf Tänzer*innen aus anderen großen Compagnien und auf Absolvent*innen erstklassiger Schulen. Ich bin fest davon überzeugt, dass genau diese Mischung uns die angestrebte Brücke zwischen Kontinuität und Erneuerung ermöglichen kann. 

Bei der Zusammenstellung des neuen künstlerischen Teams des Ballett am Rhein lag mir besonders eine Vielzahl unterschiedlicher Stimmen am Herzen. 

Mit Damiano Pettenella kommt ein Leitender Ballettmeister ans Haus, der seit sieben Jahren mit Leidenschaft und Präzision als choreographischer Assistent an meiner Seite steht. Ich bin mir sicher, dass er in Zukunft die technische und künstlerische Entwicklung der einzelnen Mitglieder der Compagnie stark prägen wird. Unsere Dramaturgie bilden Carmen Kovacs, die es auf besondere Art und Weise schafft, das Unfassbare im Tanz in Worte zu fassen und Maurice Lenhard, der sein instinktives, röntgenbild-ähnliches Verständnis von Theater mit großer Eloquenz und Klarheit zum Ausdruck bringt. Diese drei ganz unterschiedlichen Blickwinkel ergänzen sich gegenseitig und fordern mich täglich heraus – in der Entwicklung der Spielpläne, der Entstehung meiner eigenen Stücke als Chefchoreograph und in der Präzisierung und Weiterentwicklung des Profils des Ballett am Rhein. 

Die Vielschichtigkeit dieses Profils lässt sich zwar formulieren, hoffentlich aber noch besser am Spielplan ablesen. Es liegt mir am Herzen, die von Martin Schläpfer virtuos etablierte Neoklassik zu bewahren und darauf aufzubauen. Auch Hans van Manen soll mit seiner klaren Handschrift weiterhin das Repertoire der Compagnie prägen. Gleichzeitig ist es mir ein Anliegen, neue choreographische Sprachen noch mehr in den Mittelpunkt zu rücken und junge Choreograph*innen zu fördern. Die Kooperation mit der Tonhalle Düsseldorf soll der Grundstein weiterer Zusammenarbeiten mit verschiedenen Kulturinstitutionen sein. 

Erzählungen faszinieren mich, bewegen mich wortwörtlich. Diese Faszination wird sich sowohl in meiner eigenen Arbeit als auch in der unserer Gastchoreograph*innen und den unterschiedlichen künstlerischen Teams wiederfinden. Mit dem neu entstandenen Vermittlungsprogramm B*alle*tt am Rhein wird unser Spielplan von der erfahrenen Tanzpädagogin Katharina Kluge mit Interessierten jeden Alters fortgesponnen und angereichert. 

Wichtig ist mir auch, dass sich die Vielfalt des Repertoires in der Diversität der Compagnie widerspiegelt. Unsere 45 Tänzer*innen kommen aus 20 verschiedenen Nationen. Für und mit ihnen wollen wir eine offene und dialogfördernde Arbeitskultur etablieren, die den besten Nährboden für kreatives Wachstum eröffnet. 

Zum Schluss möchte ich Generalintendant Prof. Christoph Meyer, dem Aufsichtsrat und dabei insbesondere dem Kulturdezernenten der Stadt Düsseldorf, Hans-Georg Lohe, für das ausgesprochene Vertrauen und den Ballettfreunden der Deutschen Oper am Rhein e. V., für ihre tatkräftige Unterstützung von Beginn an herzlich danken. 

Ich wünsche uns, liebes und verehrtes Publikum, künstlerisch wie menschlich eine fruchtbare gemeinsame Zeit in Düsseldorf und Duisburg, einen regen Austausch über das Gesehene und Erlebte – und vor allem viele sinnliche Ballettabende. Ich freue mich auf Sie! 

Demis Volpi
Ballettdirektor und Chefchoreograph
Ballett am Rhein

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