Planungsstopp
Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf, Dr. Stephan Keller, hat vor dem Hintergrund aktueller finanzieller Rahmenbedingungen den Planungsstopp für das „Opernhaus der Zukunft“ beschlossen und diesen Entscheid am Freitag, 5 Juni 2026, öffentlich mitgeteilt.

Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hatte im Dezember 2021 den Grundsatzbeschluss für einen Neubau gefällt, dem im Juni 2023 der Beschluss folgte, auf dem Bestandsgrundstück neu zu bauen. Die Sanierungsoption wurde seitdem nicht mehr verfolgt. Im Juni 2024 wurde der Standortbeschluss revidiert. Nun sollte das Opernhaus der Zukunft am Ende der Einkaufsmeile Schadowstraße auf dem Geländes des ehemaligen Kaufhofs am Wehrhahn entstehen. Zwei Jahre später nun wurden die Planungen aufgrund der aktuellen Haushaltslage der Landeshauptstadt gestoppt.

10. Juni 2026
Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat am Freitag, 5. Juni 2026, den sofortigen Stopp der Planungen zum „Opernhaus der Zukunft“ verkündet.

Von einem Tag auf den anderen hat die Kulturstadt Düsseldorf damit eine konkrete Zukunftsperspektive nicht nur für ihre Oper, ihr Ballett und ihr Orchester verloren. Das Zusammenspiel von Musiktheater, Musikschule und Musikbibliothek unter einem Dach als offener Ort insbesondere für junge Menschen wird es nun so nicht geben.

Unser öffentlicher Auftrag in Düsseldorf, dem wir mit künstlerischer Exzellenz, Leidenschaft und Engagement auch weiterhin gerecht werden wollen, lautet: Mit unserem Solist*innenensemble, dem Opernchor, dem Ballett am Rhein und unseren beiden A-Orchestern, den Düsseldorfer Symphonikern und den Duisburger Philharmonikern, pro Saison über 180 Vorstellungen in Oper und Ballett – also rund vier Vorstellungen in der Woche - auf der großen Bühne des Düsseldorfer Opernhauses zu spielen. Damit erreichen wir pro Spielzeit allein in der Landeshauptstadt mehr als 180.000 Menschen. Hinzu kommen mehr als 80 Vorstellungen und Veranstaltungen für junges Publikum und rund 250 Schulworkshops. Wir sind eng verbunden mit der Stadtgesellschaft: durch künstlerische Arbeit, Vermittlung, Partizipation, Kooperationen und kulturelle Bildung. Die intensive Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen, Bildungseinrichtungen und sozialen Trägern zeigt diese Verankerung deutlich. Wir sind als traditionsreiches und eines der wichtigsten Opernhäuser im deutschsprachigen Raum Aushängeschild und Standortfaktor für die Landeshauptstadt. Wir sind Teil der DNA dieser Stadt.

Wir respektieren die finanzielle kommunale Notlage, die zum Planungsstopp geführt hat. Mit großer Sorge sehen wir die konkreten Folgen dieser Entscheidung. Das nun im Rat zur Abstimmung stehende Maßnahmenbündel, mit dem das stark sanierungsbedürftige Opernhaus ab sofort ertüchtigt werden soll, zielt nur auf die dringendsten Schäden. Es wird keinesfalls ausreichen, um den Spielbetrieb mittel- bis langfristig zu sichern.

Wir sind als Deutsche Oper am Rhein keine isolierte Einrichtung. Gemeinsam mit den anderen kulturellen Instituten der Stadtfamilie und der freien Szene sind wir Teil des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der Anziehungskraft der Kulturstadt Düsseldorf. Die Absage des langfristig entwickelten Projekts wirft Fragen nach der zukünftigen kulturellen Infrastruktur der Stadt insgesamt auf. Von Düsseldorf geht darüber hinaus auch deutschlandweit ein fatales kultur- und gesellschaftspolitisches Signal aus.

Die Deutsche Oper am Rhein braucht nun tragfähige Perspektiven: Für den künftigen Betrieb, für die im Bestandsgebäude nach gesetzlichen Bestimmungen notwendige bauliche Infrastruktur und für die Zukunft der rund 570 Mitarbeitenden.

Alexandra Stampler-Brown
Geschäftsführende Direktorin

Marwin Wendt
Kommissarischer Künstlerischer Leiter

19. Juni 2026
Mehr als Schadensbegrenzung

Die Oper braucht eine Perspektive Die Entscheidung der Stadt Düsseldorf, die Planungen für ein neues Opernhaus nicht weiterzuverfolgen, markiert eine Zäsur.

Wir nehmen diese Entscheidung zur Kenntnis und respektieren die angespannte Haushaltslage. Gerade deshalb darf jetzt aber kein Missverständnis entstehen: Mit dem Ende des Neubauprojekts ist die Zukunft der Oper nicht gelöst. Sie bleibt auf der Tagesordnung. Wer den Neubau absagt, muss eine Antwort liefern, wie die Oper in Düsseldorf dauerhaft gesichert wird.

Die zentrale Frage lautet nun: Wie stellt Düsseldorf sicher, dass die Deutsche Oper am Rhein im bestehenden, von vielen Bürgerinnen und Bürgern geschätzten Haus an der Heinrich-Heine-Allee eine echte Zukunft hat – künstlerisch, baulich, technisch, für die Beschäftigten und für das Publikum?
Als Freundeskreise der Deutschen Oper am Rhein, des Balletts am Rhein und der Tonhalle sprechen wir mit einer Stimme. Unsere Häuser sind in Düsseldorf nicht voneinander zu trennen. Oper, Ballett, Konzert und Orchester bilden gemeinsam eine kulturelle Infrastruktur, die weit über einzelne Spielpläne hinausreicht. Die Zukunft eines Hauses berührt immer auch die Zukunft der anderen.
Unsere Haltung ist klar: Düsseldorf braucht seine Oper. Nicht als nostalgisches Symbol, nicht als repräsentatives Beiwerk, sondern als lebendigen Ort der Stadtgesellschaft.

Wofür wir einstehen
Oper, Ballett und Konzert sind Kunstformen des Augenblicks. Sie entfalten sich, wo Menschen zusammenkommen: auf der Bühne, im Orchestergraben, im Zuschauerraum. Wenn das Licht ausgeht und der Vorhang sich hebt, entsteht etwas, das sich nicht ersetzen, nicht vollständig digitalisieren und nicht nachträglich herstellen lässt. Diese Kunst verhandelt seit Jahrhunderten, was uns als Menschen ausmacht: Liebe und Verlust, Schuld und Freiheit, Macht und Ohnmacht, Hoffnung und Scheitern. Sie hält einer Gesellschaft den Spiegel vor – und öffnet zugleich Räume, in denen Menschen anders sehen, anders hören, anders denken können.

Gerade in einer Zeit, in der öffentliche Räume unter Druck geraten und gesellschaftliche Debatten härter werden, sind solche Orte unverzichtbar. Kulturhäuser sind nicht die Luxusboutiquen einer wohlhabenden Stadt. Sie sind Orte der Begegnung, der Bildung, der Auseinandersetzung und des demokratischen Zusammenhalts. Dafür engagieren wir uns als Freundeskreise mit verlässlichem privatem Einsatz – an der Seite der Häuser, der Ensembles, der Orchester, der Beschäftigten und des Publikums.

Dieses Engagement ist kein Ersatz für öffentliche Verantwortung. Es ist ihr Partner. Und es setzt voraus, dass die Stadt selbst erkennbar zu ihrer Oper steht.

Unsere Erwartung an die Stadt
Eine bloße Ertüchtigung der dringendsten Schäden reicht nicht aus. Wer nur repariert, was den Spielbetrieb kurzfristig gefährdet, sichert nicht die Zukunft der Oper. Er verwaltet ihren Verschleiß. Düsseldorf braucht jetzt ein klares, öffentliches und belastbares Bekenntnis zur Deutschen Oper am Rhein – und einen verlässlichen Plan für eine substanzielle Sanierung und Modernisierung des Hauses an der Heinrich-Heine-Allee.

Dieser Plan muss mehr leisten als Schadensbegrenzung. Er muss beantworten, wie das Haus den Anforderungen einer modernen Spielstätte gerecht werden kann: für das Publikum, für Künstlerinnen und Künstler, für Orchester, Chor, Ballett, Technik, Werkstätten und alle Menschen, die diesen Betrieb täglich möglich machen. Dazu gehören funktionierende Arbeitsbedingungen hinter der Bühne ebenso wie ein zeitgemäßes Besuchserlebnis vor der Bühne. Dazu gehören Barrierefreiheit, technische Leistungsfähigkeit, Aufenthaltsqualität, Energieeffizienz und eine Architektur, die nicht nur den Bestand schützt, sondern Zukunft ermöglicht.

Düsseldorf versteht sich zu Recht als Kulturstadt von internationalem Rang. Dieses Selbstverständnis muss sich jetzt in Entscheidungen zeigen. Eine Stadt, die kulturelle Exzellenz beansprucht, darf ihre Oper nicht als Kostenstelle behandeln, deren Zukunft auf Sicht gefahren wird. Sie muss sie als Teil ihrer Identität begreifen – und entsprechend handeln.

Die Absage des Neubaus darf nicht der Anfang eines schleichenden Rückzugs sein. Sie muss der Ausgangspunkt für eine ehrliche, entschlossene und langfristige Lösung am bestehenden Standort werden.

Die Deutsche Oper am Rhein ist keine Frage von gestern. Sie ist eine Frage dessen, welche Stadt Düsseldorf morgen sein will. Wir sind bereit, diesen Weg konstruktiv zu begleiten. Aber konstruktiv heißt nicht still. Wir werden uns dort einbringen, wo es um Lösungen geht – und dort klar widersprechen, wo aus Übergangslösungen Dauerprovisorien werden sollen.

Freundeskreis Deutsche Oper am Rhein e.V..
Ballettfreunde der Deutschen Oper am Rhein e.V.
Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle Düsseldorf e.V.
12./13. November 2025

Die Preisträger

des Architekturwettbewerbs
Die Entscheidung im Wettbewerb für das Opernhaus der Zukunft fiel im November 2025: Vier Entwürfe gingen aus dem Generalplanungswettbewerb als Sieger hervor. Das Architekturbüro norwegische „Snøhetta Oslo AS“ wurde dabei vom Preisgericht als Erstplatzierter gekürt. Ebenfalls prämiert wurden die Arbeiten von "HPP Architekten GmbH" aus Köln/Düsseldorf (2. Platz), „kister scheithauer gross architekten GmbH“ aus Köln mit „STUDIO GANG ARCHITECTS, Ltd.“ aus Chicago (3. Platz) und „wulf architekten“ aus Stuttgart (4. Platz).

1. Platz

2. Platz


3. Platz



4. Platz

Die Entscheidung traf das 25-köpfige Preisgericht am 12. und 13. November 2025 in der Rheinterrasse Düsseldorf. Im Anschluss an die Sitzung präsentierten Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, Architekt und Stadtplaner Heiner Farwick, Vorsitzender des Preisgerichts, sowie Alexandra Stampler-Brown, Geschäftsführende Direktorin der Oper am Rhein, die vier Siegerentwürfe im Rahmen einer Pressekonferenz.

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, Mitglied des Preisgerichts: "Die Entscheidung des Preisgerichts markiert einen bedeutenden Schritt im Projekt 'Opernhaus der Zukunft'. Mit Blick auf die komplexe Aufgabenstellung beeindruckten alle acht Entwürfe mit einer beachtlichen Qualität. Mit der jeweiligen individuellen Sicht auf die Umsetzung des Opernhauses leistete jeder Entwurf einen wichtigen Beitrag zur Entscheidungsfindung des Preisgerichts." Der Oberbürgermeister weiter: "Neben der gestalterischen Strahlkraft und der hochkomplexen, sorgfältigen Prüfung der nutzerischen Anforderungen überzeugten die vier Sieger vor allem mit einer hohen Integrationsfähigkeit in den vorhandenen Stadtraum. Die kostenrelevanten Plausibilitäten in Bezug auf Bau und Betrieb des Gebäudes für Oper, Clara-Schumann-Musikschule, Musikbibliothek und öffentlichen Bereich wurden durch Sonderfachleute eng begleitet und geprüft, um das gesetzte Kostenziel von 1 Mrd. Euro einzuhalten. Diese Rahmenbedingungen sind im folgenden Beauftragungsverfahren explizit auszuarbeiten und verbindlich festzulegen."
Heiner Farwick, Architekt, Stadtplaner und Vorsitzender des Preisgerichts: "Mit einer hohen Markanz wird der neue Kulturbaustein in den Stadtkontext integriert. Der geschickt in drei Segmente gegliederte Baukörper reagiert gekonnt auf sein Umfeld, eröffnet vielfältige Ausblicke in die Stadt und zeigt dabei eine Gestaltung von hoher Raffinesse. Das Forum bietet eine einzigartige Atmosphäre und schafft damit einen Ort der Begegnung in dem Umfeld von Kultur für alle Bürgerinnen und Bürger."
Alexandra Stampler-Brown, Geschäftsführende Direktorin der Oper am Rhein: "Die Preisträger haben sehr unterschiedliche, aber allesamt großartige Visionen des Opernhauses der Zukunft in Düsseldorf entworfen, das mit seinem Dreiklang aus Oper, Musikschule und Musikbibliothek eine einzigartige Stellung in der internationalen Kulturlandschaft einnehmen wird. Wir freuen uns sehr, dass die hochkomplexen Anforderungen und Bedürfnisse der drei Nutzerinstitutionen nachhaltig in den gesamten Wettbewerb eingeflossen sind und das Preisgericht nun am Ende vier visionäre und hochfunktionale Arbeiten auszeichnen konnte."
Das weitere Vorgehen - Ratsbeschluss für 2026 geplant Im Anschluss an das Preisgericht werden zunächst vergaberechtlich notwendige Verhandlungen mit allen vier Siegern geführt, mit dem Ziel das wirtschaftlichste Angebot zu ermitteln. Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf wird dann, voraussichtlich im kommenden Jahr, über die Beauftragung des Generalplaners entscheiden. Dieser beginnt im Anschluss mit der tiefergehenden Planung. Der Ausführungs- und Finanzierungsbeschluss ist aktuell für das Jahr 2028 geplant.

Das Opernhaus der Zukunft soll neben der Deutschen Oper am Rhein auch die Musikbliothek der Stadt Düsseldorf sowie die Clara-Schumann-Musikschule beherbergen. In diesem kurzen Video (ca. 5 Minuten) geben die drei Institutionen einen kurzen Einblick in ihre alltägliche Arbeit, stellen ihre bestehenden Räumlichkeiten vor und formulieren Ziele, die sie mit dem Projekt „Opernhaus der Zukunft" verknüpfen.


Kinder­architektur­wettbewerb

Wie sieht Dein Musik­schule­Bibliothek­Opern­haus der Zukunft aus?

Aktuelles

Die Präsentation der Siegerentwürfe
Alle Veranstaltungen im Stream ansehen!
Konzeptentwicklung wird durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert
Architekturwettbewerb geht in die 2. Phase
Mehr Raum für junge Menschen: Beim 5. „Forum Opernhaus der Zukunft“ ging es um Angebote für Kinder und Jugendliche
Düsseldorf, 19. März 2025
29 Büros aus dem In- und Ausland nehmen teil
Mit einem Treffen des Preisgerichts am 20. Januar 2025 (Foto) und einem Teilnehmendenkolloquium am 11. Februar 2025 ist der Realisierungswettbewerb für das Opernhaus der Zukunft gestartet worden.
Rat beschließt mit überwältigender Mehrheit die Auslobung eines internationalen Architekturwettbewerbs
Kino, Oper und Palermo: Ein Gespräch zwischen Miriam Koch und Wim Wenders (26. November 2024)
Neuer Standort für das Opernhaus der Zukunft
Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hat am 27.06.2024 den Beschluss gefasst, dass das Opernhaus der Zukunft Am Wehrhahn gebaut werden soll.
27. Juni 2024, ab 14.00 Uhr
Auf der Tagesordnung: Der Ankauf des Grundstücks "Am Wehrhahn" (ehemaliger Kaufhof) sowie der Auftrag an die Verwaltung, einen Internationalen Architekturwettbewerb für das Opernhaus der Zukunft auf diesem neuen Standort vorzubereiten.
Die Öffnung ist Programm - Strategien und neue Formate für ein Musiktheater der Zukunft (29. April 2024)
30.04. - Debatte über Architekturwettbewerb & Interim
Am 30.04.2024 wurden in einer Sammelsitzung verschiedener Ausschüsse die aktuellen Beschlussvorlagen zum "Opernhaus der Zukunft" debattiert, bevor am 8. Mai der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf zusammenkommt. Die Beschlussvorlagen samt Anlagen können hier eingesehen werden, die Debatte wurde aufgezeichnet.
Weltklasse am Rhein?! Chancen und Perspektiven einer internationalen Kulturstadt (18. März 2024)
Auftaktveranstaltung vom 29. Januar 2024 & Streamaufzeichnung
Gemeinsam mit der Bayerischen Staatsoper, der Komischen Oper Berlin, dem Opernhaus Zürich und den Staatstheatern Stuttgart veranstaltete die Deutsche Oper am Rhein Digital Lectures zum Thema KULTURBAUTEN DER ZUKUNFT.
Nov 2021 - Jan 2022
Opernhaus der Zukunft
Eine Handvoll kleiner Clips sollten im Juni 2023 die Wartezeit auf den Ratsentscheid über die weiteren Meilensteine auf dem Weg zum "Opernhaus der Zukunft" verkürzen...
16.06.2023
Ideenwettbewerb zum Standort
Heinrich-Heine-Allee oder Am Wehrhahn? Das Preisgerichtsverfahren zum Ideenwettwettbewerb ist abgeschlossen. Der Rat der Stadt Düsseldorf entscheidet im Juni über den Standort für den Opernhausneubau.
15. Februar 2023

Zum Hintergrund

Das Opernhaus Düsseldorf teilt das Schicksal zahlreicher Theater und Opernhäuser in Deutschland, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wieder aufgebaut beziehungsweise komplett neu errichtet wurden: Es ist stark sanierungsbedürftig. Das ist von außen nicht unbedingt sichtbar: die Fassade macht tatsächlich einen guten Eindruck, und auch das Interieur wirkt einladend und gepflegt.
Die Probleme liegen verborgen in der überalterten, maroden Haustechnik, in den bühnentechnischen Anlagen und in der Bausubstanz. Ein Beispiel für diese Mängel, das auch beim Opernbesuch sichtbar ist: Das Dach muss im Foyer mit temporären Stützen abgesichert werden.

Viele Probleme im täglichen Betrieb rühren daher, dass das Opernhaus im Kern auf einer baulichen Konzeption basiert, die vor rund 150 Jahren für eine reine Schauspiel-Bühne und nicht für die Anforderungen eines modernen Opernbetriebs im 21. Jahrhundert entwickelt wurde. Außerdem erfordern Mängel an der Bausubstanz und den technischen Anlagen sowie Anforderungen des Arbeitsschutzes ein baldiges Handeln.

Die Untersuchungen des Bestandsgebäudes resultierten 2020 in einer Kostenschätzung für die Basis-Sanierung (ohne Erweiterungen), die damals bereits mit mindestens rund 457 Millionen Euro und hohem Risiko beziffert wurde. Bei einer Sanierung im Bestand besteht die Gefahr, dass unerwartet zusätzliche Maßnahmen notwendig werden und es damit zu Kostenerhöhung kommt. Die Sanierung der Oper in Köln ist ein prominentes Beispiel.
Temporäre Stahlstützen sichern das Foyer-Dach im Opernhaus Düsseldorf ab.
Für eine erweitere Sanierung, die zumindest einige Verbesserung für den Opernbetrieb bringen würde, wurden 2020 Kosten von rund 650 Millionen Euro ermittelt. Sie bewegten sich damit im ähnlichen Rahmen wie die Kosten für einen Neubau . Diese wurde 2020 für die Variante "Neubau auf dem Bestandsgrundstück" auf rund 636 Millionen zzgl. rund 65 Millionen für eine Interimsspielstätte, also insg. rund 704 Millionen Euro, geschätzt. (Bei der Variante "Neubau auf alternativem Grundstück" wären statt Kosten für ein Interim Kosten für das zu bebauende Grundstück angefallen.)

Allerdings würde eine Sanierung im Gegensatz zu einem Neubau kaum einen Mehrwert für die Menschen in dieser Stadt bringen. Ein Neubau hingegen bietet zahlreiche Möglichkeiten, etwas Großartiges für Düsseldorf zu schaffen, ein Opernhaus der Zukunft, ein Ort, der allen Menschen in der Stadt offen steht.

Vor diesem Hintergrund hat der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf im Dezember 2021 den Grundsatzbeschluss für einen Neubau gefällt, dem im Juni 2023 der Beschluss folgte, auf dem Bestandsgrundstück neu zu bauen. Die Sanierungsoption wird seitdem nicht mehr verfolgt. Im Juni 2024 wurde der Standortbeschluss revidiert. Nun soll das Opernhaus der Zukunft am Ende der Einkaufsmeile Schadowstraße auf dem Geländes des ehemaligen Kaufhofs am Wehrhahn entstehen.

Im Grundsatzbeschluss heißt es:

"1. Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf nimmt die Ergebnisse der Untersuchungen zum Bestandsgebäude sowie der Machbarkeitsstudien auf Grundlage des Bedarfsprogramms der Oper an der Heinrich-Heine-Allee 16a, die Ergebnisse der Standortuntersuchungen (Heinrich-Heine-Allee, Am Wehrhahn) für einen möglichen Opernneubau und zur Öffentlichkeitsbeteiligung zur Kenntnis.

2. Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf beschließt eine Sanierung des Opernhauses nicht weiter zu verfolgen, ausgenommen Sanierungsmaßnahmen, die zur Aufrechterhaltung des Betriebes absolut zwingend erforderlich sind. Über diese unausweichlichen Sanierungen wird jeweils ein politischer Einzelbeschluss herbeigeführt."

Was bisher geschah

Öffentlichkeitsbeteiligungen

1. Phase: Was, wie, wo (Sommer 2021)

Wie kann es uns gemeinsam gelingen, Oper neu zu denken und einen attraktiven, aufregenden, inspirierenden und einladenden Ort für alle zu schaffen?

Ziel dieser ersten Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung im Sommer 2021 war es zu erfahren, welche Ideen und Wünsche die Bürgerinnen und Bürger für die Zukunft des Opernhauses in Düsseldorf haben. Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hatte im Dezember 2021 über einen Grundsatzbeschluss zur Zukunft des Opernhauses zu entscheiden.

Hier ging es nicht zuletzt um die Frage, ob eine Sanierung des bestehenden Gebäudes oder ein Neubau angegangen werden soll. Dabei waren die Ergebnisse des öffentlichen Dialogs eine eine wichtige Entscheidungshilfe für die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Politik.

Letztlich entschied sich der Rat am 16.12.2021 für einen Neubau des Opernhauses. Mit diesem Beschluss endete auch die 1. Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung. Er beauftrage die Stadtverwaltung jedoch mit der Planung und Umsetzung einer 2. Beteiligung, die am 17. Oktober 2022 starten sollte.

2. Phase: Standortentscheidung (2022/2023)

Die Entscheidung über den Standort des Opernhauses der Zukunft wurde am 15. Juni 2023 vom Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf getroffen: das neue Kulturgebäude soll am Standort Heinrich-Heine-Allee und damit am traditionellen Ort der Düsseldorfer Oper entstehen.
Wesentliche Grundlage dieser Entscheidung war die durch die Stadtverwaltung erarbeitete Vorlage, in die die Ergebnisse eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs, Analysen und Bewertungen einer Vielzahl von Expert*innen unterschiedlicher Fachrichtungen sowie standortbezogene Impulse aus der zweiten Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung eingeflossen sind.

Zweite Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung
Da bereits in der 1. Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung die Meinung der Düsseldorfer Bürgerschaft bezüglich möglicher Standorte eingeholt wurde, konzentriert sich die 2. Phase auf das zukünftig entstehende Kulturgebäude: Welche Angebote, Leistungen und Nutzen, die über den Opernbetrieb hinausgehen, wünschen sich die Akteurinnen und Akteure aus Kultur und Stadtgesellschaft? Welche Prioritäten werden gesetzt? Gibt es ganz neue Ideen und Ansätze, an die noch niemand gedacht hat?
Mit der Standortentscheidung erging zudem der Auftrag an die Verwaltung, eine internationale Ausschreibung für einen architektonischen Realisierungswettbewerb zu erarbeiten, die im Sommer 2024 zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Die Impulse aus der Öffentlichkeitsbeteiligung sind ein wichtiger Bestandteil dieser architektonischen Aufgabenstellung.