Poetisch betrachtet ist es der Rhein, der das Düsseldorfer Opernhaus und das Theater in Duisburg miteinander verbindet. Im praktischen Leben sind es Theaterbusse, Transporter und Sattelschlepper, die zwischen beiden Standorten der Deutschen Oper am Rhein verkehren und Künstler, Kostüme und Kulissen an den Ort bringen, wo die nächste Probe oder Aufführung stattfindet. Seit ihrer Gründung im Jahre 1956 existiert die Deutsche Oper am Rhein als Theatergemeinschaft. Vergleichbare Bühnenmaße erlauben es, die Opern- und Ballettproduktionen sowohl im Düsseldorfer Opernhaus als auch im Theater der Stadt Duisburg zu zeigen.

Zentral am Opernplatz gelegen, nur ein paar Schritte von der Königstraße, zählt das Theater zu den markantesten Bauwerken der Stadt Duisburg. Die strahlend weiße Vorderfront erinnert an Tempeleingänge der Antike. Über sechs ionischen Säulen ruht der Dreiecksgiebel, auf dem in großen Lettern ein Zitat von Friedrich Schiller aus der „Huldigung der Künste“ zu lesen ist:

Mit allen seinen Tiefen seinen Höhen
Roll ich das Leben ab vor deinem Blick,
Wenn du das große Spiel der Welt gesehen
So kehrst du reicher in dich selbst zurück

Prof. Martin Dülfer war der Architekt des Duisburger Theaters, das 1912 eröffnet wurde. Auf das Parkett und vier Ränge verteilten sich 1.652 Plätze. Der Spielplan bot Opern- und Theateraufführungen verschiedener Ensembles, bevor es 1942, unmittelbar nach einer „Tannhäuser“-Vorstellung, durch einen Luftangriff zerstört wurde. Es folgten provisorische Aufführungen im Mercator-Film-Palast, im Thyssen-Casino, in der Mülheimer und Rheinhauser Stadthalle, bevor das Theater 1943 nach Prag evakuiert wurde.

Erst 1950 ging die erste Vorstellung im wieder aufgebauten Haus über die Bühne.
1970 erfolgten ein Umbau und die Renovierung des Zuschauersaals, der heute 1.118 Besuchern Patz bietet. Kleinere Aufführungen und Konzerte finden im Opernfoyer statt, das als beliebter Pausentreffpunkt vom Stil der 50 er Jahre geprägt ist. Raum für außergewöhnliche Theaterproduktionen bietet das Foyer III unter dem Dach des Gebäudes.

Pro Spielzeit werden auf der großen Bühne mehr als 100 Opern- und Ballettaufführungen der Deutschen Oper am Rhein gezeigt. Hinzu kommen zahlreiche Gastspiele von Schauspielhäusern in Nordrhein-Westfalen und das Kulturfestival „Duisburger Akzente“. Schräg gegenüber, in der Philharmonie Mercatorhalle, konzertieren die Duisburger Philharmoniker. Im Duisburger Süden, im Stadtteil Wanheimerort, erhielt die Deutsche Oper am Rhein 2002 ein neues Produktionszentrum. Hier sind zwei große Probebühnen und die Theaterwerkstätten – Schlosserei, Tischlerei, Malsaal und Dekorationswerkstatt – untergebracht.

 

Geschichte

Von 1887 bis heute

1887
Einweihung der Duisburger Tonhalle am König-Heinrich-Platz. Von diesem Zeitpunkt an fanden die Theateraufführungen, die vorher im Saal der Gesellschaft "Casino" und im Saal der "Schützenburg" veranstaltet wurden, in der Tonhalle statt. Beginn der Theaterehe Düsseldorf/Duisburg. Die Theateraufführungen wurden vom Düsseldorfer Stadttheater übernommen. Ein entsprechender Vertrag mit Theaterdirektor Carl Simons wurde abgeschlossen.

10. November 1887
Eröffnungsvorstellung mit dem romantischen Schauspiel mit Gesang und Tanz von P.A. Wolff, Musik von Carl Maria von Weber, „Preciosa“

1891
übernimmt Eugen Staegemann die Direktion des Düsseldorfer Theaters und damit auch die Leitung der Theatergemeinschaft Düsseldorf/Duisburg, der

1900
von Heinrich Gottinger abgelöst wird.

1902
übernimmt die Theaterdirektion Ludwig Zimmermann.
Oberbürgermeister Lehr regt die Gründung eines Theaterbauvereins an, um einen Fonds für den Theaterbau zu sammeln.

1904
Erster Grundstock dieses Fonds war eine Stiftung von 200.000 Mark durch den Kommerzienrat Theodor Böninger. Es folgten weitere Stiftungen für den Theaterneubaufonds, und zwar von Kommerzienrat Heinrich Elskes 40.000 Mark, von Kommerzienrat Arnold Paßmann 34.000 Mark, von Kommerzienrat Friedrich Schürmann 20.000 Mark, von Karl de Gruyter und der Firma Franz Haniel je 10.000 Mark.

1907
Die Stadtverordnetenversammlung stellt für den Theaterneubau das städtische Grundstück am Pulverweg zur Verfügung. Einberufung einer Theaterbaukommission unter Vorsitz des Oberbürgermeisters. Öffentlicher Aufruf an die Bürger der Stadt zur Zahlung von freiwilligen Beträgen.

1909
Die Theaterkommission schreibt einen Wettbewerb unter fünf Architekten aus.

1910
Prof. Martin Dülfer, Dresden, wird von der Kommission mit der Ausführung des Projektes beauftragt.

11. Mai 1911
Erster Spatenstich durch die Duisburger Firma Guillaume & Loegmann.

27. Juni 1911
Feierliche Grundsteinlegung

1912
Fertigstellung nach anderthalbjähriger Bauzeit. Baukosten: 3 Millionen Goldmark. Das Theater hatte 1.652 Plätze im Parkett und in vier Rängen.

7. November 1912
Einweihung mit einem Festakt, bei dem Oberbürgermeister Karl Lehr die Festrede hielt. In der anschließenden Festvorstellung wurde das Vorspiel zu Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg", "Wallensteins Lager" von Friedrich Schiller und das Finale („Festwiese“) aus den "Meistersingern von Nürnberg" aufgeführt. Die erste reguläre Vorstellung fand am 8. November mit Lessings "Minna von Barnhelm" statt.

1914
Durch den Kriegsausbruch wurden Pläne, ein eigenes Ensemble aufzubauen, vereitelt.

1919
Einrichtung einer zehnmonatigen Spielzeit bei täglichen Vorstellungen. Rücktritt von Ludwig Zimmermann.

12. November 1920
Der erweiterte Duisburger Theaterausschuß beschließt einstimmig die Kündigung der Theatergemeinschaft mit Düsseldorf zum Ende der Spielzeit 1920/21. Die letzte Vorstellung war am 21. Juni 1921 mit Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“.

1921
Gründung der Duisburger Oper (25. September 1921). Mit der Stadt Bochum wurde ein Vertrag geschlossen, wonach die Schauspielaufführungen vom Schauspielhaus Bochum nach Duisburg und gleichzeitig musikalische Aufführungen der Duisburger Oper nach Bochum übernommen werden. Der gemeinsame Generalintendant beider Häuser war Professor Saladin Schmitt.

1934
Auflösung des Theatervertrages Duisburg/Bochum zum Ende der Spielzeit 1934/35. Nachfolger von Saladin Schmitt wird der Operndirektor Rudolf Scheel.

1937
Intendant Dr. Georg Hartmann übernimmt die Duisburger Oper (bis 1944).

22. Dezember 1942
Zerstörung durch Luftangriff - unmittelbar nach einer "Tannhäuser"-Aufführung . Provisorische Aufführungen im Mercator-Film-Palast, Thyssen-Casino, in der Mülheimer und Rheinhauser Stadthalle.

September 1943
Evakuierung nach Prag auf Anordnung des Reichspropagandaministeriums. Bis Juli 1944 Spielbetrieb im Deutschen Opernhaus und im Ständetheater Prag. Dies war gleichzeitig das Ende der Duisburger Oper.

1945
Kapellmeister Richard Hillenbrand gibt mit den ersten heimgekehrten Musikern volkstümliche Konzerte im Duisburger Hof.

September 1946
Eröffnung des Theater-Foyers. Überwiegend als Kino benutzt, aber an bestimmten Tagen Lesungen, Schauspiele, Hauptkonzerte (Sinfoniekonzerte).

1. Oktober 1950
Festliche Eröffnung des wiederaufgebauten Theaters mit Lessings "Emilia Galotti" durch das Schauspielhaus Bochum.
Zunächst Verzicht auf ein eigenes Ensemble, statt dessen Gastspiele mit musikalischen Werken und Schauspielen von den Theatern in Bochum, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Köln, Rheydt und Wuppertal.
Da das Bühnenhaus noch nicht fertiggestellt war, fanden die Aufführungen auf der Vorbühne statt. Aus Sichtgründen wurde der zweite Rang nicht bestuhlt. Gesamtgröße: Parkett und zwei Ränge. Gesamtplatzzahl: 1.218

1952
Mit Beginn der Spielzeit 1952/53, im September 1952, endete das Provisorium auf der Vorbühne. Fertigstellung des Bühnenhauses sowie Bestuhlung des zweiten Ranges.

1954
Vertrag zwischen der Stadt Duisburg und der Neuen Schauspiel GmbH Düsseldorf (Intendant: Gustaf Gründgens) über 100 Schauspielaufführungen je Spielzeit für die Spielzeiten 1954/55 und 1955/56 in Duisburg.

1955
Vertrag mit der Stadt Düsseldorf über die Bildung der Deutschen Oper am Rhein (Theatergemeinschaft Düsseldorf-Duisburg) ab der Spielzeit 1956/57.

1956
Professor Dr. Hermann Juch erster Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein (Spielzeit 1956/57 bis Spielzeit 1963/64).

1964
Professor Dr. Grischa Barfuss zweiter Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein (Spielzeit 1964/65 bis Spielzeit 1985/86).

1970
Umbau und Renovierung des Zuschauerraumes. Reduzierung des Platzangebotes auf 1.118 Plätze.

1977
1. DUISBURGER AKZENTE. Dieses seit 1977 jährlich stattfindende Kulturfestival hat sich bis heute zu einem der meistbeachteten Kulturfestivals in Deutschland entwickelt. Gastspiele bedeutender deutschsprachiger Bühnen markieren dabei Höhepunkte im Sprechtheaterbereich.

1986
Professor Kurt Horres dritter Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein (Spielzeit 1986/87 bis Spielzeit 1995/96).

7. November 1987
75 Jahre Theater der Stadt Duisburg

1996
Erste Eigenproduktionen im Schauspiel anläßlich der 20. DUISBURGER AKZENTE: „La Raffaella“ von Allessandro Piccolomini (Uraufführung 7. Mai 1996) und "Das Schloß" von Franz Kafka, eine Koproduktion des Theaters der Stadt Duisburg mit dem Mülheimer Theater an der Ruhr (Premiere 22. Mai 1996)

Tobias Richter vierter Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein (ab Spielzeit 1996/97)

1997
„Blunt oder Der Gast“ von Karl Philipp Moritz als dritter Eigenproduktion (Premiere am 21. August 1997 im Landschaftspark Duisburg-Nord).

Neukonzeption im Bereich Schauspiel: Pro Spielzeit erhalten fünf Schauspielhäuser aus NRW die Möglichkeit, sich mit bis zu sechs Aufführungen in Duisburg zu präsentieren.

„Treffpunkt Schauspiel“ als ganzjähriges Theatertreffen

1998
Weitere Eigenproduktionen („Linie 901“) bzw. Koproduktion („Der Klassenfeind“ von Nigel Williams) mit dem Roma Theater PRALIPE im Rahmen der 22. DUISBURGER AKZENTE.

1999
Rolf-R. Arnold wird Intendant des Theaters Duisburg, zuständig unter anderen für die Bereiche Konzert, Schauspiel, Festivals.

2000
Ankauf des Grundstücks auf dem Gelände der ehemaligen „Glamorgan Barracks“ in Duisburg-Wanheimerort zum Bau der zentralen Theaterwerkstätten und Lager der Deutschen Oper am Rhein.

2001
Die Sanierung der Untermaschinerie macht eine dreimonatige Auslagerung des Spielbetriebes in das Theater am Marientor (TAM) erforderlich.

2002
125 Jahre Duisburger Philharmoniker. Jonathan Darlington wird Generalmusikdirektor der Duisburger Philharmoniker. Schließung der Mercatorhalle. Mit der Spielzeit 2002/03 finden die „Philharmonischen Konzerte“ im Theater am Marientor statt. Eröffnung der neuen Theaterwerkstätten in Duisburg-Wanheimerort.

1. Dezember 2003
Umwandlung der Deutschen Oper am Rhein in eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Gesellschafter sind die Städte Düsseldorf und Duisburg sowie der Freundeskreis der Deutschen Oper am Rhein e.V. Eröffnung des Servicebüros im Theater Duisburg durch die Zusammenführung des ehemaligen Abonnementbüros und der Theaterkasse. Eröffnung des Opernshops der Deutschen Oper am Rhein auf der Düsseldorfer Straße. Start des konzertpädagogischen Projekts „KLASSE! KLASSIK“ der Duisburger Philharmoniker.

2005
Gründung des Schauspiel-Jugendclubs „SPIELTRIEB“ im Theater Duisburg

2006
50 Jahre Deutsche Oper am Rhein, Theatergemeinschaft Düsseldorf-Duisburg. Dr. Alfred Wendel wird neuer Intendant der Duisburger Philharmoniker