Antoine Jully: Hidden Features – Mariana Dias, So-Yeon Kim, Sonny Locsin, Bruno Narnhammer | (c) Gert Weigelt
b.19
Scenario / Merce Cunningham
Große Fuge / Hans van Manen
Premiere
Dauer b.19: ca. 2 ¼ Stunden, zwei Pausen
Termine
Opernhaus Düsseldorf
April 2014
So  |  27.04.  | 15:00  Abo. 25 Online Tickets: 14,50 - 67,50 €
Di  |  29.04.  | 19:30  Online Tickets: 14,50 - 67,50 €

Dauer b.19: ca. 2 ¼ Stunden, zwei Pausen
Hidden Features (Uraufführung)
Antoine Jully
Wenn Antoine Jully ein Tanzstück erarbeitet, treten vielfältige Parameter der Bühnenkunst – Körper, Bewegung und Musik, Raum und Kostüme, Licht und Video – nicht nur in Interaktion, sondern sind Bestandteile eines großen Ganzen. In seiner ersten Uraufführung für das Ballett am Rhein, „Inside“, wurden die Tänzerinnen und Tänzer zu den Farben auf der Palette eines Malers, die sich im Raum verselbständigten. In seiner neuen Choreographie, mit der Antoine Jully das Programm b.19 eröffnen wird, erforscht er mit ihnen die geheimnisvollen Teilchen im Innenleben eines Computers: „Hidden Features“. „Ich lebe als Künstler in der heutigen Zeit und es interessiert mich sehr, welche Möglichkeiten der Fortschritt der Technologien mir für meine Kunst bietet.“ Nicht nur das geheimnisvolle Leben von Files, Prozessoren, Speicherplätzen und der Files hinter den Files möchte Antoine Jully zu Musik von Erwin Schulhoff und Henryk Mikołaj Górecki in seiner Choreographie sichtbar werden lassen, sondern auch die Beziehungen zwischen der realen und virtuellen Welt mit den Mitteln der Bewegung des menschlichen Körpers erforschen. Seine Herangehensweise beschreibt er als möglichst komplex: „Um ein neues Stück zu beginnen, muss mein Kopf brennen.“

Ausgebildet am Conservatoire national supérieur de musique et de danse in Paris tanzte Antoine Jully u. a. im Corps de ballet der Opéra national de Paris und am Royal Ballet London, wo er auch seine ersten eigenen Choreographien präsentierte. 2005 engagierte Martin Schläpfer ihn in sein ballettmainz, seit 2009 ist er Mitglied des Balletts am Rhein, für das er mit „Hidden Features“ nach „Inside“ in b.12 sowie „Rebound – Topple – Splash“ in b.15 seine dritte Uraufführung kreiert.

 
***
HIDDEN FEATURES (Uraufführung)
Antoine Jully

MUSIK Fünf Stücke für Streichquartett von Erwin Schulhoff sowie Konzert für Cembalo und Streichorchester op. 40 von Henryk Mikołaj Górecki
 

 
Tänzerinnen Doris Becker, Wun Sze Chan / *, Sabrina Delafield, Mariana Dias, Nathalie Guth, Alexandra Inculet, So-Yeon Kim, Anne Marchand, Nicole Morel, Louisa Rachedi, Claudine Schoch, Virginia Segarra Vidal, Elisabeta Stanculescu, Irene Vaqueiro
Tänzer Rashaen Arts, Christian Bloßfeld, Paul Calderone, Jackson Carroll, Martin Chaix, Michael Foster, Filipe Frederico, Philip Handschin, Richard Jones, Marquet K. Lee, Sonny Locsin, Alexander McKinnon, Marcos Menha, Bruno Narnhammer, Chidozie Nzerem, Alban Pinet, Friedrich Pohl, Boris Randzio, Alexandre Simões
 
Scenario
Merce Cunningham
Merce Cunningham machte sich die Erforschung der unendlich vielen Möglichkeiten innerhalb des Bewegungsspektrums des menschlichen Körpers zur Lebensaufgabe. In seiner – zusammen mit dem Komponisten John Cage entwickelten – aleatorischen Arbeitsweise, die er seit den 1990er Jahren durch computergenerierte Bewegungsabläufe erweiterte, wurde ihm das Medium des Tanzes mit der Bewegung selbst identisch. Zugleich überschritt er stets aber die Grenzen zwischen den unterschiedlichsten Kunstgattungen, indem er zahlreiche renommierte Bildende Künstler wie Robert Rauschenberg, Andy Warhol oder Jasper Johns und Komponisten wie John Cage, David Tudor oder Earle Brown – um nur einige Namen zu nennen – gewinnen konnte, kopräsente Aufführungskonzeptionen zu seinen Choreographien zu entwerfen.

Eines der ungewöhnlichsten Stücke gelang ihm mit seinem 1997 beim Next Wave Festival an der New Yorker Brooklyn Academy of Music uraufgeführten „Scenario“ in der Zusammenarbeit mit der japanischen Modedesignerin Rei Kawakubo, die seit 1969 ihre radikal avantgardistischen Kollektionen unter dem Label Comme des Garçons präsentiert. Kawakubo erteilte Cunningham zunächst eine Absage: „Da ich überhaupt nichts von Tanz verstehe, dachte ich, ich könnte diesen Auftrag nicht annehmen.“ Während der Arbeit an ihrer Frühjahrs-/Sommer-Kollektion 1997 „Body Meets Dress, Dress Meets Body“ entschied sie dann aber doch, sich auf das Experiment einzulassen, und legte einen Entwurf vor, der mit herkömmlichen Kostümen kaum etwas gemeinsam hat: Mit extremen Ausbuchtungen und Wulsten an verschiedensten Teilen des Körpers – auf den Schultern, dem Rücken, an der Hüfte oder am Gesäß – gestaltete Kawakubo die Linien der Tänzerkörper auf ganz eigene Weise, und umgekehrt nehmen aber auch ihre Kostüme durch die Bewegungen der Körper immer neue, unvorhersehbare und manchmal auch seltsam-groteske Formen an. Zu den schier unendlich dahinfließenden Wellenbewegungen der Musik von Takehisa Kosugi, in deren schrittweise sich veränderndes Klangspektrum elektronische Wortverfremdungen von A bis Z eingestreut sind, entführt „Scenario“ den Betrachter in eine faszinierend-fremde Welt, in welcher Deformation und Schönheit auf eine ganz eigenartige Weise miteinander verschwistert erscheinen.

Das Ballett am Rhein präsentiert Cunninghams „Scenario“ als erste deutsche Compagnie. Für die Aufführungen im Opernhaus Düsseldorf werden die Kostüme in einem aufwändigen Verfahren nach den Originalen von Rei Kawakubo rekonstruiert.
 
***
SCENARIO
Merce Cunningham

MUSIK „Wave Code A-Z“ von Takehisa Kosugi
 

Choreographie Merce Cunningham
Kostüme, Raum und Licht nach Rei Kawakubo
Einstudierung Banu Ogan, Daniel Squire
Production Consultant David Covey
Rekonstruktion Kostüme Catherine Voeffray
 
Tänzerinnen Ann-Kathrin Adam, Camille Andriot, Wun Sze Chan / Mariana Dias, Mariana Dias / Nathalie Guth, Alexandra Inculet, Nicole Morel, Louisa Rachedi, Virginia Segarra Vidal
Tänzer Jackson Carroll, Martin Chaix, Michael Foster, Marquet K. Lee, Sonny Locsin, Bruno Narnhammer, Alban Pinet
 
Große Fuge
Hans van Manen
„Ich mache keine Experimente, ich mache Ballette.“ Treffender konnte Hans van Manen es kaum auf den Punkt bringen, was seine Choreographien seit inzwischen mehr als fünf Jahrzehnten auszeichnet. In diesem Sinne kommt er von George Balanchine, dem amerikanischen Tanzpuristen, und weist doch über diesen hinaus, denn immer geht es in seinen Stücken – auch wenn sie uns keine konkreten Geschichten erzählen – um das Aufeinandertreffen von Menschen und damit um genau all jene so menschlichen Themen, die sich jeder von uns vorzustellen vermag.

Vier Frauen, vier Männer – zwei kleine Gruppen. Die Männer in bodenlangen schwarzen Röcken und mit nackten Oberkörpern, die Frauen in hautfarbenen Trikots, zu denen ihr elaborierter Haarputz in merkwürdigem Kontrast steht. Zu Beginn posieren die Männer, während die Frauen abwarten. Doch dabei bleibt es natürlich nicht. Wie für Hans van Manen so typisch beginnt ein raffiniertes Spiel aus Lockungen, Annäherungen, Verführungen und Zurückweisungen. Die beiden Geschlechter erscheinen auf Augenhöhe – auch in ihrer Bewegungssprache. Es gibt keine leichtfüßigen Hebungen für die Frauen, keine kraftvollen Sprünge für die Männer. Dafür äußerst schnelle Schrittkombination und Drehungen durchmischt mit Alltagsgesten.

Musikalische Basis sind Hans van Manen mit der Großen Fuge op. 133 und der Cavatina aus dem Streichquartett op. 130 zwei Spätwerke Ludwig van Beethovens – Partituren, in denen höchste konstruktive Dichte zu äußerster, subjektiver Expressivität führt. 1971 für das Nederlands Dans Theater I entstanden, zählt Hans van Manens Ballett heute unzweifelhaft zu den Meisterwerken des 20. Jahrhunderts und hat im Repertoire vieler großer Compagnien seinen festen Platz.

 
***
GROSSE FUGE
Hans van Manen

MUSIK Große Fuge B-Dur op. 133 und Cavatina aus dem Streichquartett B-Dur op. 130 von Ludwig van Beethoven
 

Choreographie Hans van Manen
Bühne Jean-Paul Vroom
Kostüme Hans van Manen
Licht Jan Hofstra
Einstudierung Mea Venema
 
Tänzerinnen Doris Becker, Feline van Dijken, Claudine Schoch, Julie Thirault
Tänzer Rashaen Arts, Paul Calderone, Bogdan Nicula, Alexandre Simões
 

 

Send-A-Friend

 
E-Mail Adresse des Absenders*
Name des Absenders*
E-Mail Adresse des Empfängers*

Nachricht:
» Absenden