AFTERNOON OF A FAUN Jerome Robbins | (c) The Robbins Rights Trust | Alexandre Simões, Nicole Morel | (c) Gert Weigelt
b.16
Afternoon of a Faun / Jerome Robbins
Without Words / Hans van Manen
Nacht umstellt / Martin Schläpfer
Theater Duisburg
Donnerstag, 26. Dezember 2013
18:30 - 21:00 Uhr

Dauer: 2 ½ Stunden, eine Pause
18,10 - 62,80 € Abo.+A
Dauer: 2 ½ Stunden, eine Pause
Afternoon of a Faun
Jerome Robbins
Kaum eine Gestalt der Ballettbühne reizte nachfolgende Generationen so sehr und immer wieder zur Auseinandersetzung wie die des Fauns, in welcher der legendäre Tänzer und Choreograph der Ballets Russes, Vaclav Nijinsky, 1912 im Pariser Théâtre du Châtelet zu Claude Debussys Orchesterwerk „Prélude à l’après-midi d’un faune“ sich seinen erotischen Träumereien mit schönen Nymphen hingab – und den Tanz seiner Zeit revolutionierte.

Über 40 Jahre später, im Mai 1953, verdichtete sich für Jerome Robbins das Bild von Faun und Nymphe – angeregt durch den Anblick des in einem Ballettsaal des New York City Ballet in der nachmittäglichen Sonne schlafenden Tanzstudenten Eddie Villella – zu einem Pas de deux ganz anderer Art: Ebenfalls zu Debussys Musik und angesiedelt in der Atmosphäre eines Ballettstudios entstand mit „Afternoon of a Faun“ eine Begegnung zwischen einem Tänzer und einer Tänzerin – vielleicht die Darsteller von Nijinskys Faun und Nymphe –, deren naive Unschuld sich immer mehr in aufgeladene Erotik steigert, um am Ende jedoch in narzisstische Einsamkeit zu münden. Ein kurzes Miteinander, ein zarter Kuss bleiben ohne Folgen. Die beiden Tänzer finden nicht wirklich zueinander, ihre Blicke halten einander nicht stand, sondern verlieren sich immer wieder in der Betrachtung ihrer eigenen Spiegelbilder.

Jerome Robbins, der dem breiten Publikum vor allem durch seine Choreographien zu den Musicals „West Side Story“ und „Fiddler on the Roof“ bekannt ist, zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Choreographen des 20. Jahrhunderts. Nur wenigen Künstlern gelang es wie ihm, klassisches Ballett und Broadway, hohe Kunst und kommerzielle Unterhaltung zu vereinen. Als George Balanchine ihn 1949 zum Associate Artistic Director des New York City Ballet berief, begann eine über 40-jährige Bindung an dieses bedeutende Ensemble, für das er von 1983 bis 1990 auch als Co-Ballettmeister von Peter Martins tätig war. Viele seiner insgesamt 66 Choreographien gehören bis heute zum Repertoire des New York City Ballet, in Europa sind seine Werke dagegen eher selten zu erleben, so dass die Aufführung von „Afternoon of a Faun“ zu den besonderen Akzenten im Spielplan des Balletts am Rhein zählt.
 
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AFTERNOON OF A FAUN
Jerome Robbins

MUSIK „Prélude à l’après-midi d’un faune“ von Claude Debussy
 

Choreographie Jerome Robbins
Musikalische Leitung Wen-Pin Chien
Bühne und Licht Jean Rosenthal
Kostüme Irene Sharaff
Einstudierung Anita Paciotti
 
Tänzerin Nicole Morel
Tänzer Alexandre Simões
Orchester Duisburger Philharmoniker
 
Without Words
Hans van Manen
„Ein achtundsiebzigjähriger Mann verwandelt einundzwanzig Minuten melancholischster spätromantischer Klaviermusik in ein Kammerspiel des Verlangens, wie es atemberauben-der nicht sein könnte“, schrieb Wiebke Hüster in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die Uraufführung von „Without Words“ – eine Choreographie, die Hans van Manen im Ok-tober 2010 für Het Nationale Ballet Amsterdam schuf und nun als Wiedereinstudierung dem Ballett am Rhein als erster deutscher Compagnie anvertraut.

Eine Frau begegnet drei verschiedenen Männern. Sie lässt sich auf sie ein voller Zärtlichkeit, voller Erotik, voller nicht fassbarer Sehnsucht – und behält doch konsequent ihre kühle Beherrschung. Der Ausgang der Geschichte bleibt ungewiss. Über allem der Schleier einer abgründigen Melancholie. „Without Words“ – „Ohne Worte“ und doch in seiner äußerst beredten Bewegungssprache, geschaffen für vier starke Tänzerpersönlichkeiten breitet Hans van Manen verschiedene Zustände zwischen Sehnsucht und Gefasstheit, geheimem Wünschen und klarem Wissen, Emanzipation und Abhängigkeit vor uns aus.

„Ohne Worte“ ist aber auch die Musik, die Hans van Manen zur Grundlage seines intensiven Kammerspiels wurde. Nach einer Idee des niederländischen Dirigenten Reinbert de Leeuw verwendete er von Hugo Wolfs 1888 entstandenen vier „Mignon-Liedern“ nur den Klavierpart, ließ den Gesang und damit auch Goethes berühmte Texte aus „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ fort: Eine in die höchsten Verfeinerungen getriebene „Nervenmusik“, von unstetem, fast expressionistischem Ausdruck, einem Rütteln an den Fundamenten und Grundfesten – nicht nur jenen der Tonalität.
 
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WITHOUT WORDS
Hans van Manen

MUSIK
Vier „Mignon-Lieder“ von Hugo Wolf „ohne Worte“ nach einer Idee von Reinbert de Leeuw
 

Choreographie Hans van Manen
Bühne und Kostüme Keso Dekker
Licht Bert Dalhuysen
Einstudierung Mea Venema
Klavier Stephen Harrison
 
Tänzerin Julie Thirault
Tänzer Paul Calderone, Marcos Menha, Bogdan Nicula
 
Nacht umstellt
Martin Schläpfer
Oft sind es Gegensätze, die sich befruchten, gegeneinander stehende Welten, aus deren Spannungs-verhältnis sich etwas Neues ergibt. Für seine Uraufführung „Nacht umstellt“ kreierte sich Martin Schläpfer eine Art eigene Partitur aus der Kombination und Konfrontation der beiden Komponisten Franz Schubert und Salvatore Sciarrino.

Salvatore Sciarrinos Komponieren beschreibt Martin Schläpfer als eine Musik, die „still steht, in der weder die einzelnen Instrumente noch der Ton an und für sich voll zum Tragen kommen – und doch ist es eine Musik, die in ihrer Intensität ihresgleichen sucht“. Wie ein Forscher horcht Sciarrino in die Klänge hinein, betrachtet sie wie unter einem Vergrößerungsglas, lässt winzigste Intervall-Spannungen hörbar werden, denn – so Sciarrino – „in gewissem Sinne muss jedes Ding durch das Werden hindurchgehen, um zu unse-rem Bewusstsein zu dringen“. Der 1947 in Palermo geborene Komponist zählt zu den konsequentesten Querdenkern der zeitgenössischen Musik. Das Werk Franz Schuberts umkreist Martin Schläpfer immer wieder in seinen Balletten. „Schuberts ‚Deutsche Tänze‘ sind schon lange mein Favorit“, erläutert er, ebenso wie die „Unvollendete“ h-Moll-Sinfonie, „Musik, die so tänzerisch ist in all ihrem Verschleudern von Le-bensenergie, Schönheit und Trauer, ohne dabei jedoch die energiespendende Mitte je zu verlieren.“

In seinem Ballett „Nacht umstellt“ nimmt uns Martin Schläpfer mit auf eine „Reise in die Nacht“, bei der sich ein ganzes Kaleidoskop an Phantasmagorien und Erinnerungsbildern eröffnet. Dagmar Haas-Pilwat schrieb dazu in der RP: „Düsseldorfs Chefchoreograph und seine Compagnie bewegen sich bei der Urauf-führung von ‚Nacht umstellt‘ in anderen Sphären, in einem Zustand zwischen Himmel und Erde, Tag und Nacht, Traum und Wahn. 70 Minuten hält Martin Schläpfer den Spannungsbogen. Er treibt seine Tänzer in ein Meer von Kontrasten, stellt Welten gegeneinander, aus denen Neues entsteht, das die Bühne so noch nicht gesehen hat.“ Und Dorion Weickmann in der SZ: „Ein Stück weiter dem Unfasslichen der Antimaterie des Todes entgegen.“

 
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NACHT UMSTELLT
Martin Schläpfer

MUSIK 16 Deutsche Tänze D 783 von Franz Schubert, „Il suono e il tacere“ von Salvatore Sciarrino, Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 („Unvollendete“) von Franz Schubert, „Shadow of Sound“ von Salvatore Sciarrino, Mehrstimmiger Gesang „Die Nacht“ D 983c von Franz Schubert

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„Nacht umstellt“ wird gefördert im Rahmen des Fonds Neues Musiktheater 2013.
 

Choreographie Martin Schläpfer
Musikalische Leitung Wen-Pin Chien
Bühne Florian Etti
Kostüme Catherine Voeffray
Licht Thomas Diek
 
Tänzerinnen Ann-Kathrin Adam, Marlúcia do Amaral, Doris Becker, Wun Sze Chan, Mariana Dias, Feline van Dijken, Carolina Francisco Sorg, Christine Jaroszewski, Yuko Kato, So-Yeon Kim, Anne Marchand, Nicole Morel, Louisa Rachedi, Claudine Schoch, Virginia Segarra Vidal, Anna Tsybina, Irene Vaqueiro
Tänzer Christian Bloßfeld, Andriy Boyetskyy, Paul Calderone, Jackson Carroll, Martin Chaix, Philip Handschin, Antoine Jully, Marquet K. Lee, Sonny Locsin, Marcos Menha, Bruno Narnhammer, Bogdan Nicula, Chidozie Nzerem, Boris Randzio, Alexandre Simões
Orchester Duisburger Philharmoniker
 

 

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