EPISODES George Balanchine © The George Balanchine Trust | Ann-Kathrin Adam, Philip Handschin, Alexandre Simões, Louisa Rachedi | © Gert Weigelt
b.18
Episodes / George Balanchine
Sinfonien / Martin Schläpfer
Theater Duisburg
Sonntag, 19. Januar 2014
18:30 - 21:00 Uhr

Dauer b.18: ca. 2 ½ Stunden, zwei Pausen
16,10 - 56,00 € Abo.+U
Dauer b.18: ca. 2 ½ Stunden, zwei Pausen
Episodes
George Balanchine
Durch Igor Strawinsky lernte George Balanchine die Musik Anton Weberns kennen und konnte sich fortan ihrer Faszinationskraft nicht mehr entziehen: „Seine Musik füllt die Luft wie Moleküle; sie ist für die Atmosphäre komponiert“, äußerte er sich emphatisch, und: „Als ich sie zum ersten Mal hörte, erschien sie mir wie Mozart und Strawinsky – Musik, zu der man tanzen kann, da sie dem Geist die Freiheit lässt, den Tanz zu sehen. Hört man Komponisten wie Beethoven oder Brahms, hat jeder bereits seine eigenen Ideen, malt sich sein eigenes Bild von dem, was die Musik vorstellt. Doch wie kann ich als Choreograph einen tanzenden Körper in ein Bild zwingen, das in der Vorstellung eines anderen bereits existiert?“

Balanchines Faszination nahm im Fall Anton Weberns geradezu enzyklopädische Züge an, schwebte ihm doch eine Vertanzung des gesamten Werkes für Orchester des Wiener Komponisten vor. Zusammen mit seinem Impresario Lincoln Kirstein lud er für dieses Vorhaben Martha Graham ein und schuf mit ihr einen zweiteiligen Abend. Als „Episode I“ entwarf die Pionierin des Modern Dance für ihre Company und Sallie Wilson aus Balanchines New York City Ballet ein Stück über den Tod Maria Stuarts. Den zweiten Teil übernahm Balanchine mit seiner Company und integrierte Paul Taylor aus der Graham-Truppe für eine Solo-Variation. Der Verbund der beiden so unterschiedlichen Arbeiten sollte jedoch nicht lange halten. Bereits ein Jahr nach der Uraufführung am 14. Mai 1959 im New Yorker City Center of Music and Drama begann Balanchine seinen Teil unter dem Titel „Episodes“ losgelöst von Martha Grahams Choreographie und ohne die Taylor-Variation zu zeigen.

Entstanden ist ein Stück, das den Raum mit Mikro-Schritten erfüllt. Jede Bewegung erscheint wie in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt und verliert doch nie ihr Eingebundensein in ein großes Ganzes. Zu einem wichtigen Partner wird Balanchine dabei, neben Weberns Musik, die Stille – in der Musik wie in der Bewegung: „So eng sind in den ‚Episodes‘ Musik und Choreographie verzahnt“, schreibt Horst Koegler, „dass einem überhaupt erst bei mehrmaligem Sehen aufzugehen beginnt, wie oft Balanchine hier ganz bewusst auch in die musikalischen Pausen ‚hineinchoreographiert‘.“

In der Einstudierung von Patricia Neary setzt das Ballett am Rhein mit „Episodes“ seine Auseinandersetzung mit George Balanchine fort und präsentiert nicht nur eines der bedeutendsten Ballette des 20. Jahrhunderts, sondern auch eines der für die Entwicklung des Tanzes zukunftsweisendsten Werke des Neoklassikers. Martin Schläpfer ist es gelungen, für die Neueinstudierung mit dem Ballett am Rhein auch die Taylor-Variation in die Choreographie zurückzuholen. Peter Frame, für den Taylor 1986 das Solo rekonstruierte, ist für die Einstudierung verantwortlich.


 
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EPISODES
George Balanchine © The George Balanchine Trust

MUSIK Sinfonie op. 21 für Kammerensemble, Fünf Stücke op. 10, Konzert op. 24 für neun Instrumente und Variationen op. 30 von Anton Webern sowie Fuga (2. Ricercata) a 6 voci aus „Das Musikalische Opfer“ BWV 1079/5 von Johann Sebastian Bach für Orchester bearbeitet von Anton Webern
 

Choreographie George Balanchine
Musikalische Leitung Christoph Altstaedt
Licht Franz-Xaver Schaffer
Einstudierung Patricia Neary, Peter Frame
 
Sinfonie op. 21 Louisa Rachedi, Alexandre Simões
Fünf Stücke op. 10 Nicole Morel, Paul Calderone
Konzert op. 24 So-Yeon Kim, Andriy Boyetskyy
Variationen op. 30 Jackson Carroll
Fuga a 6 voci aus "Das Musikalische Opfer" BWV 1079/5 Claudine Schoch, Marcos Menha
Tänzerinnen Sachika Abe, Ann-Kathrin Adam, Doris Becker, Wun Sze Chan, Sabrina Delafield, Mariana Dias, Feline van Dijken, Carolina Francisco Sorg, Nathalie Guth, Alexandra Inculet, Anne Marchand, Aryanne Raymundo, Elisabeta Stanculescu, Anna Tsybina, Irene Vaqueiro
Tänzer Filipe Frederico, Philip Handschin, Alban Pinet
Orchester Duisburger Philharmoniker
 
Sinfonien
Martin Schläpfer
„Ich gehe durch die tonkargen spätherbstlichen Wälder, und ich höre meinen Schritt, und ich höre mein Herz schlagen; ich höre die Geräusche der langsam sich ergebenden Natur und den Widerhall eines Vogelschreis in meiner Erinnerung. Immer tiefer gerate ich in das Innere, wo Erschrecken und Ruhe sich nahe sind, wo die Furcht stillhält“ (Wilhelm Killmayer).

Vier Tänzerpaare: die Männer mit nacktem Oberkörper über knöchellangen, schweren Faltenröcken, die Frauen auf Spitze, in alpenländisch geblümten Kleidern und mit bäuerlichen Zopffrisuren. Sie erscheinen uns wie Mitglieder eines fremden, archaischen Stammes. Aus einer extremen Ruhe wachsen ihre Körper über sich hinaus, treiben sich selbst an die äußersten Punkte ihrer Kraft. Nie verloren geht dabei die Bindung an den Boden. Ein Tänzer stößt dazu. Wie ein einsamer Prinz wandelt er staunend durch einen Wald von verzauberten Wesen. Symmetrien beginnen aufzubrechen, Bewegungen zusammenzufallen. Ein Punkt wird erreicht, hinter dem man „ins Freie“ gelangen kann …

Auf die beiden Sinfonien „Fogli“ und „Ricordanze“ des 1927 in München geborenen Komponisten Wilhelm Killmayer schuf Martin Schläpfer eines seiner wundersamsten Ballette. Im Zustand einer eigentümlich spannungsgeladenen Zeitlosigkeit eröffnet das Stück für den Zuschauer das Erlebnis eines verlangsamten Schauens und Lauschens, in dem die geringste Abweichung zum Ereignis wird. Die poröse Struktur von Killmayers Partituren, in denen jeder einzelne Ton als ein „Wesen“ mit eigener Farbe und eigenem Klima erscheint, schafft eine Klangfläche, auf welcher der Tanz die Musik und umgekehrt – die Musik den Tanz – zu suchen beginnt, um sogleich auch wieder gegeneinander auszubrechen. „Das Geschehen hat etwas Magisches und zugleich etwas Kostbares, weil jede Geste besonderes Gewicht erhält“, schrieb Wolfgang Sandner in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die mit dem Theaterpreis DER FAUST 2009 ausgezeichnete Choreographie – ein „Versuch“, so Martin Schläpfer, „eine andersartige Balance in einer unbemühten Einfachheit und Entschleunigung zu finden“.

 
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SINFONIEN
Martin Schläpfer

MUSIK Sinfonia I („Fogli“) und Sinfonia II („Ricordanze“) von Wilhelm Killmayer

 

Choreographie Martin Schläpfer
Musikalische Leitung Christoph Altstaedt
Bühne Thomas Ziegler
Kostüme Catherine Voeffray
Licht Franz-Xaver Schaffer
 
Tänzerinnen Marlúcia do Amaral, Yuko Kato, Anne Marchand, Nicole Morel
Tänzer Richard Jones, Antoine Jully, Alexander McKinnon, Boris Randzio, Alexandre Simões
Orchester Duisburger Philharmoniker
 
Sorrowful Songs (Uraufführung)
Nils Christe
Im Opernhaus Düsseldorf waren zuletzt seine „Fearful Symmetries“ im Ballettabend b.11 zu erleben – ein temporeiches Großstadt-Stück, das einem choreographischen Feuerwerk gleich nicht nur die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts am Rhein wie unter Starkstrom setzte, sondern auch das Publikum angesichts seiner Virtuosität, seines Einfallsreichtums und seines verblüffenden Spiels mit immer neuen symmetrischen Strukturen den Atem anhalten ließ. Im Auftrag Martin Schläpfers wird Nils Christe nun für das Ballett am Rhein ein neues Stück kreieren. Musikalische Basis sind ihm hierfür der 2. und 3. Satz aus der 1976 entstandenen Sinfonie Nr. 3 von Henryk Mikołaj Górecki – jener „Sinfonie der Klagelieder“, die es mit ihrer expressiven Ausdruckskraft in den 1990er Jahren in die Popcharts schaffte. Górecki legte die einzelnen Sätze als Klagegesänge an und verwendete u.a. ein Gebet, das an der Wand einer Zelle im Keller des Gestapo-Hauptquartiers in Zakopane entdeckt wurde, sowie ein oberschlesisches Volkslied aus der Zeit der polnischen Aufstände, in dem eine Mutter um ihren toten Sohn trauert. Nils Christe schwebt mit seinem neuen Ballett allerdings kein Stück über die Schrecken des Krieges vor, sondern – so der Choreograph – „im intensiven Ausloten der Musik ein Tanzen, das Melancholie und Traurigkeit ebenso auszudrücken vermag wie Hoffnung“.

Seit seiner gefeierten Uraufführung „Before Nightfall“ 1985 mit dem Ballett der Pariser Oper zählt Nils Christe zu den wichtigsten Choreographen seiner Generation. Er war Tänzer im Nederlands Dans Theater, erhielt dort die Möglichkeit, auch zu choreographieren, und leitete von 1986 bis 1993 als künstlerischer Direktor das Scapino Ballet in Rotterdam. Nach dem Pariser Erfolg führten ihn seine eigenen Kreationen schon bald weit über die Grenzen seiner niederländischen Heimat hinaus in alle Welt zu Compagnien wie dem Ballett der Wiener Staatsoper, dem Königlich Dänischen und Königlich Schwedischen Ballett, Finnischen Nationalballett, Basler und Zürcher Ballett, zum Ballett der Deutschen Oper Berlin, Ballett der Komischen Oper Berlin, Bayerischen Staatsballett, ballettmainz, Washington Ballet, den Grand Ballets Canadiens, dem Queensland Ballet, Singapore Dance Theatre, Het Nationale Ballet Amsterdam und zu Introdans. Von besonderer Bedeutung ist für Nils Christe die Zusammenarbeit mit seiner Frau Annegien Sneep, die ihm nicht nur seit 1981 assistiert und weltweit für die Wiedereinstudierung seiner Choreographien verantwortlich zeichnet, sondern für seine Ballette meist auch die Kostüme entwirft.
 
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SORROWFUL SONGS
(Uraufführung)
Nils Christe

MUSIK 2. und 3. Satz aus der Sinfonie Nr. 3 op. 36 für Sopran und Orchester („Sinfonie der Klagelieder“) von Henryk Mikołaj Górecki

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„Sorrowful Songs“ wird gefördert im Rahmen des Fonds Neues Musiktheater 2014.
 

Choreographie Nils Christe
Musikalische Leitung Christoph Altstaedt
Bühne Thomas Rupert
Choreographische Assistenz und Kostüme Annegien Sneep
Licht Franz-Xaver Schaffer
 
Solistin Annika Kaschenz
Tänzerinnen Ann-Kathrin Adam, Doris Becker, Wun Sze Chan, Mariana Dias, Feline van Dijken, Alexandra Inculet, So-Yeon Kim, Nicole Morel, Louisa Rachedi, Claudine Schoch
Tänzer Rashaen Arts, Paul Calderone, Jackson Carroll, Martin Chaix, Michael Foster, Marquet K. Lee, Sonny Locsin, Marcos Menha, Bruno Narnhammer, Chidozie Nzerem, Alexandre Simões
Orchester Duisburger Philharmoniker
 

 

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